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Evelyne Gebhardt: „Die Kraft dieser jungen Frauen ist beeindruckend“

Nadia Murad und Lamiya Aji Bashar erhalten Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments

Bild: © European Union 2016; Grafik: SPD-Gruppe im EP

In der heutigen Sitzung verlieh das Europäische Parlament den diesjährigen Sacharow-Preis für geistige Freiheit an die beiden jesidischen Menschenrechtsaktivistinnen Nadia Murad und Lamiya Aji Bashar. „Das unvorstellbare Leid, das diese Frauen in ihrem jungen Leben erfahren mussten, ist erschütternd. Umso bewundernswerter ist es, dass sie ihren Geist nicht haben brechen lassen und nun mit aller Kraft auf das alltägliche Schicksal unzähliger Opfer aufmerksam machen“, kommentiert Evelyne Gebhardt, die die Auswahl der Jury ausdrücklich unterstützt.

Die jungen Frauen wurden, nachdem ihr Dorf vom sogenannten „Islamischen Staat“ überfallen und alle männlichen Dorfbewohner getötet wurden, als Sexsklavinnen missbraucht. „Die sexualisierte Gewalt gegen Frauen wird in Konflikten nach wie vor als Waffe des Grauens eingesetzt“, kritisiert Gebhardt, „die Staatengemeinschaft muss endlich nachhaltige Instrumente schaffen, um diesen Horror zu unterbinden und um die Täter für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen – das sind Kriegsverbrechen der übelsten Sorte.“

Die Preisträgerinnen sind mit ihrem Leben davongekommen und konnten aus der Gefangenschaft ihrer Peiniger fliehen. Heute leben sie als Flüchtlinge in Deutschland und setzen sich intensiv in der Aufklärungsarbeit ein. Zum einen, um auf das Schicksal der jesidischen Minderheit im Irak aufmerksam zu machen, und zum anderen, um auf die unzähligen Opfer der sexuellen Versklavung durch den sogenannten „Islamischen Staat“ hinzuweisen. „Die Frauen im Alter von 19 und 23 Jahren sind das Sprachrohr der Opfer dieser barbarischen Taten. Im Frühjahr durfte ich mich mit Vertreterinnen jesidischer Frauen treffen, die heute in Baden-Württemberg leben und ein ähnliches Schicksal erlitten haben. Seitdem bin ich noch mehr von der Stärke dieser jungen Frauen beeindruckt. Der Preis ist absolut gerechtfertigt“, fügt Evelyne Gebhardt an.

Als Anerkennung für ihr Engagement erhielten die beiden Preisträgerinnen heute im Straßburger Parlament den mit 50.000 Euro dotierten Preis.

13. Dezember 2016