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Artikel im Acher- und Bühler Bote vom 24. Juli 2012

Europapolitikerin will Ängste nehmen


Diskussion um die Zukunft im Museumskeller / Evelyne Gebhardt warnt vor umkämpfter Freihandelszone

Renchen (m). Einblicke in die aktuelle Situation und zur Zukunft Europas erhielten die Besucher im Museumskeller des Simplicissimus-Hauses. Auf Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Elvira Drobinski-Weiß war Evelyne Gebhardt zu Gast – sie hat als Mitglied des Europäischen Parlaments die Arbeitsschwerpunkte Binnenmarkt, Verbraucherschutz und Bürgerrechte.

„Europa befindet sich mitten in Turbulenzen“, betonte Drobinski-Weiß zum Auftakt. Dies mache die Bürger nachdenklich und schüre bei vielen auch Ängste. Entscheidend sei es, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: ein starkes Europa, das nach den Bedürfnissen der Menschen fragt und nicht nach den Bedürfnissen des Marktes. „Wir brauchen ein Europa der Bürger, das sich als Wertegemeinschaft begreift und nicht zur reinen Freihandelszone ohne solidarisches Miteinander verkommt.“

„Die Europäische Union ist das Ergebnis einer Erfolgsgeschichte“, hob Evelyne Gebhardt hervor. Die gegenwärtige Krise habe ihre Ursache darin, dass einige Staaten jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt hätten. Kaputtsparen sei aber auch kein Mittel. Gebraucht würden wachstumsfördernde Maßnahmen in diesen Staaten, von der Förderung der Ausbildung junger Menschen bis zu einem Energieprogramm zur Nutzung von Sonnen-, Wind- und Wasserenergie. Wichtig sei nach wie vor ein fairer Wettbewerb der Arbeits- und Sozialsysteme der Mitgliedsstaaten. So sollte es keine Versuche geben, sich bei der Umsatz- oder Unternehmensbesteuerung zu unterbieten. Zur gemeinsamen Wirtschaftspolitik bedauere sie, dass nicht überall Löhne garantiert sind, von denen Menschen leben können. Erst in 21 der 27 Mitgliedsstaaten gebe es verankerte Mindestlöhne – die Bundesrepublik gehöre leider nicht dazu. Auch Bürgermeister Bernd Siefermann ging auf die Bedeutung der Völkerverständigung ein und verwies auf den Volkstrauertag in Renchen, den neben der Reservistenkameradschaft auch ehemalige französische Fallschirmjäger gestalten. Abschließend trugen sich Evelyne Gebhardt und Elvira Drobinski-Weiß ins „Goldene Buch“ der Stadt ein.

Autor: Peter Meier