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„Das ist Unsinn“

Interview mit der Nürtinger Zeitung
4. November 2014

NTZ: Frau Gebhardt, am 13. Dezember tritt die neue Lebensmittelinformationsverordnung der Europäischen Union in Kraft, die auch im Verbraucherschutzausschuss beraten wurde, dem Sie angehören. Darin ist auch eine Pflicht zur Angabe von Inhaltsstoffen enthalten. Kritiker behaupten nun, durch diese Regelung stünden private Lebensmittelverkäufe von Vereinen oder Kindergärten vor dem Aus. Muss bald neben jedem Kuchen eine Liste mit den Inhaltsstoffen ausgelegt werden?

Gebhardt: Auf keinen Fall. Was hier behauptet wird, ist schlicht Unsinn. Die Verordnung gilt nur für Unternehmen, nicht für Privatleute. Es ärgert mich, dass die Boulevardpresse immer wieder Stimmung gegen Europa macht, indem sie solche Märchen auftischt wie jetzt mit der Lebensmittelverordnung.

NTZ: Was genau bezweckt die neue Verordnung?

Gebhardt: Ziel ist es, die Verbraucher und Verbraucherinnen besser darüber zu informieren, welche Inhaltsstoffe in Lebensmitteln enthalten sind. Bisher war dies nur für verpackte Produkte vorgeschrieben. Das haben viele Menschen nicht verstanden. Besonders Allergiker und Menschen, die unter Lebensmittelunverträglichkeiten leiden, werden von den neuen Kennzeichnungsregeln profitieren.

NTZ: Was bedeutet die Verordnung in Zukunft für Ehrenamtliche, die mit ihrem Einsatz für den guten Zweck arbeiten?

Gebhardt: Für ehrenamtlich engagierte Bürger und Bürgerinnen, etwa für Eltern, die beim Schulfest ihrer Kinder Kuchen verkaufen, oder Vereinsmitglieder, die beim Sportfest für das leibliche Wohl sorgen, ändert sich gar nichts. Das Ehrenamt ist ein hohes Gut, das unsere Gesellschaft zusammenhält. Das schätzt auch die Europäische Union.

Fragen von Philip Sandrock