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Evelyne Gebhardt: „Kindeswohl muss bei Entziehungen im Fokus stehen“

Europäisches Parlament stimmt für bessere Zusammenarbeit von Gerichten und Behörden

© Europäisches Parlament

Die Zahl der Kindesentziehungen durch Mütter oder Väter, die entgegen dem Willen des anderen Elternteils mit dem Kind in ihr Heimatland zurückkehren, wächst jedes Jahr. Im Jahr 2016 verzeichnete das Bundesamt für Justiz allein in Deutschland 511 Verfahren der internationalen elterlichen Kindesentziehung.*

„Durch neue und verbesserte Regeln gegen Kindesentziehungen können wir  das Leid vieler Betroffener mindern“, sagt Evelyne Gebhardt, stellvertretendes Mitglied des Rechtsauschusses, die den Verordnungstext „Brüssel IIa“ für die Sozialdemokraten im Europäischen Parlament federführend begleitete. Das Plenum stimmt am Donnerstag. 18. Januar 2018 für  neue Vereinbarungen in der Europäischen Union.

Evelyne Gebhardt war selbst Mediatorin für grenzüberschreitende, elterliche Kindesentziehungen des Europäischen Parlaments und weiß wie wichtig es ist gute Regeln zu erarbeiten:
„Die neuen Regeln sehen eine bessere Zusammenarbeit von Gerichten und Behörden der EU-Mitgliedstaaten vor. Dadurch wird die Verfahrensdauer erheblich verkürzt. Die Ungewissheit eines Kindes, in welchem Land und bei welchem Elternteil es zukünftig leben wird, wird dadurch wesentlich reduziert.“

Im Europäischen Parlament gelang es den Sozialdemokraten außerdem, die Rechte von Kindern weiter zu stärken.
„Wir wollen Mindeststandards für eine altersgerechte  Anhörung von Kindern im europäischen Ausland“, so Evelyne Gebhardt, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments. „Dazu gehört u.a. die kindgerechte Sprache.“

Außerdem haben die Sozialdemokraten eine weitere Förderung der Mediation und damit die Möglichkeit einer tragbaren, einvernehmlichen Lösung für die Betroffenen durchgesetzt.

Dagegen scheiterte die von den Sozialdemokraten geforderte Einbeziehung von Eingetragenen Partnerschaften bei der Anerkennung von Entscheidungen bei Scheidungen und Sorgerechtsverfahren am fehlenden politischen Willen der Konservativen und kleinlichen Verfahrensregeln der Geschäftsordnung. Die überwiegende Mehrheit von Eingetragenen Partnerschaften in Europa ist gleichgeschlechtlich.
„Die Einbeziehung Eingetragener Partnerschaften wäre ein wichtiges Signal für mehr Toleranz und für die Gleichheit aller Bürger und Bürgerinnen der Europäischen Union gewesen“, bedauert Evelyne Gebhardt.

*Quelle: Bundesamt für Justiz, Internationale Sorgerechts-, Kindesentführungs-, Kinder-und Erwachsenenschutzangelegenheiten Tätigkeitsbericht 2016

18. Januar 2018