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Kampagne gegen sexistische Werbung auch in Neu-Ulm?

Grenzüberschreitender Europa-Frauentag mit Evelyne Gebhardt und Maria Noichl

Karl-Heinz-Brunner MdB, Maria Noichl MdEP, Evelyne Gebhardt MdEP und Landtagskandidat Daniel Fürst (von links nach rechts) Foto: © Maria Noichl

Den Europa-Frauentag am 16. März in Neu-Ulm konnte man grenzüberschreitend nennen. Mit der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Evelyne Gebhardt aus Baden-Württemberg und der SPD-Europaabgeordneten Maria Noichl aus Bayern, trafen sich zwei Vertreterinnen aus zwei Bundesländern in der Donaustadt. Während Gebhardt 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland im geschichtlichen Kontext zu Europa darlegte, berichtete Noichl über die aktuelle Situation der Frauen in Europa.

In Artikel 3 Grundgesetzes sei die Gleichstellung der Geschlechter festgeschrieben, „Gleichberechtigung heißt nicht nur gleiches Recht zu haben“, so Gebhardt. „Der Einfluss Europas auf die Rechte der Frauen in Deutschland und damit auch in Neu-Ulm ist bedeutend. Bereits in den Römischen Verträgen 1957 wurde in Artikel 119 die Gleichberechtigung verankert. Alle positiven Errungenschaften haben wir daraus abgeleitet“, sagte Gebhardt. Gleichstellungspolitik sei noch fortschrittlicher als Gleichberechtigungspolitik, mit Genderpolitik habe man eine weitere Stufe erklommen. „Genderpolitik bedeutet, dass man immer prüfen muss, welche Konsequenzen die politischen Entscheidungen auf die Lebenswirklichkeit von Frauen und Männer haben“, so die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments. Gebhardt und Noichl appellierten daher gemeinsam an die Gäste: „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden. Wir haben es satt, dass Mädchen Prinzessinnen sind und Jungen Astronauten. Auch Mädchen dürfen ins All fliegen und Jungen dürfen Prinzen sein!“

Maria Noichl nannte zwei aktuelle Kernpunkte, die die aktuelle Situation der Frauen in Europa beeinflussten. „Nichts schadet Frauen so sehr wie finanzielle Krisen. Wenn Banken Gelder verzocken, wird als erstes im sozialen Bereich gespart. In Griechenland sind die Leidtragenden Frauen und Kinder. Ein Drittel ist ohne Krankenversicherung“, so Noichl. Der sich verbreitende Rechtsextremismus in Europa wirke sich auch auf die gesellschaftliche Stellung der Frauen aus. „In Ungarn sind Frauen nur noch etwas wert, wenn sie Mütter sind“. Die Haltung gegenüber Frauen fange schon in den Köpfen an, und Werbung habe eine enorme Wirkung auf unser Verhalten, so Noichl. „Bukarest hat sich bereits der Kampagne ‚Keine sexistische Werbung in unserer Stadt‘ angeschlossen. Wenn die rumänische Hauptstadt mit guten Beispiel vorangeht, kann Neu-Ulm dies sicher auch“, forderte die bayerische SPD-Europaabgeordnete. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner begrüßte abschließend die Initiative in seinem Schlusswort ausdrücklich.

20. März 2018