Deutsch
 
English
 
Français

Evelyne Gebhardt: „Marktmacht von Booking.com brechen“

Gericht entscheidet über Geschäftspraktiken von Buchungsportalen

© Europäisches Parlament

Bei der Hotelbuchung über die hoteleigene Website oder über ein Portal fallen häufig unterschiedliche Kosten an: diese Praxis soll trotz entgegengesetzter Bemühungen seitens des Europäischen Parlaments weiterhin zulässig sein.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat diese Woche entschieden, dass es Buchungsportalen weiterhin erlaubt ist, Hotels zu verbieten, ihre Zimmer auf der eigenen Internetseite günstiger anzubieten als auf dem Portal. Das Gericht entschied, dass eine so genannten „enge" Bestpreisklausel zulässig sei, und hob die Untersagung dieser Praxis durch das Bundeskartellamt auf.

„Diese Entscheidung ist bedauerlich und vernachlässigt, wie rücksichtlos Portale ihre Marktdominanz ausbauen wollen“, so die Verbraucherschutzexpertin Evelyne Gebhardt, SPD-Abgeordnete im Europäischen Parlament. Mit den sogenannten Bestpreisklauseln wollen Portale verhindern, dass sich Gäste auf zum Beispiel Expedia oder Booking.com über Hotelangebote informieren und dann aufgrund niedrigerer Zimmerpreise oder besserer Vertragskonditionen auf der Hotelseite oder einem anderen Hotelbuchungsportal buchen. In solchen Fällen erhält das Portal nämlich keine Vermittlungsprovision. „Diese Unternehmen der Digitalwirtschaft haben sich Wettbewerbsvorteile dadurch geschaffen, dass sie verdeckte Preismechanismen nutzen“, so Evelyne Gebhardt.

„Bisher gilt: Wer die höchste Provision zahlt, bekommt das beste Ranking. Noch im April hat das Europäische Parlament eine Richtlinie verabschiedet, die zukünftig dafür sorgen wird, dass Verbraucher und Verbraucherinnen, die Online-Marktplätze oder Reiseportale nutzen, auch wissen, dass manche Empfehlungen, nur deshalb ganz oben gelistet sind, weil hierfür die höchsten Provisionen bezahlt wurden. „Das Urteil sollte angefochten werden, denn auf europäischer Ebene haben wir gerade erst die Voraussetzungen geschaffen, um wettbewerbsverzerrende Geschäftspraktiken von Online-Portalen wirksam eindämmen zu können“, so Evelyne Gebhardt.

Die neuen Rahmenbedingungen in der EU sollen Verbraucher und Verbraucherinnen in allen Mitgliedstaaten das Recht auf Entschädigungs- und Kündigungsrechte einräumen, wenn sie von dieser Art von unlauteren Geschäftspraktiken sowie aggressiver oder irreführender Werbung betroffen sind.

06. Juni 2019